Wie lerne ich richtig?

Nach einer verpatzen Klausur, einer schlechten Note in einer Klassenarbeit oder einer drohenden 5 am Ende des Schuljahrs stellt sich die Frage nach der Ursache. Oft nennen Schülerinnen und Schüler die gleichen Gründe für ihren Misserfolg:

  • Sie haben zu spät mit der Vorbereitung begonnen.
  • Zu viele Arbeiten stehen an und sie wissen nicht mehr, wie sie ihr Lernpensum schaffen sollen.
  • Sie wissen nicht, wie man richtig lernt.

Eine gute Organisation der eigenen Lernzeit ist der Grundstock für den schulischen Erfolg. Viele Schülerinnen und Schüler geben ehrlich zu, dass sie durchaus noch Reserven in ihrem Tagesablauf für zusätzliche Lerneinheiten haben, schwer fällt ihnen aber, sich zum Lernen zu motivieren. Die Arbeit mit einem festen Wochenplan kann hier sehr hilfreich sein, denn einerseits ist pro Tag eine feste Zeit für Hausaufgaben, Vor- und Nachbereitung des Unterrichts und das Lernen reserviert, andererseits erlaubt der Wochenplan aber auch das Einplanen von außerschulischen Aktivitäten ohne dabei ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Erstellen eines Wochenplans

Schritt 1: Eintragen des schulischen Stundenplans in die Vorlage

Hier am Beispiel eines Schülers aus der Jahrgangsstufe 1.

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
Bio Sp Bio Ch
Bio Sp Bio Ch
D M Rel E M
D M Rel E M
E D Gk NWT
E D Gk NWT
Sp G Psy
Sp G Psy
BK
BK

 

Vorlage als DOWNLOAD

 

Schritt 2: Eintragen der Hausaufgaben

Mit Hilfe von kleinen Klebezetteln wird zu jeder Stunde vermerkt, wie viele Hausaufgaben der jeweilige Fachlehrer pro Stunde im Durchschnitt gibt. Auf Klebezetteln in einer anderen Farbe wird die durchschnittliche Vorbereitungszeit für die jeweilige Stunde und / oder pro Woche vermerkt.

 

Bild 1

 

Schritt 3: Überlegungen zum persönlichen Lernrhythmus

Bevor die täglichen Lernzeiten in den Plan eingetragen werden, sollte man sich überlegen, wann man am besten lernt. Direkt nach der Schule? Nach einer kurzen Pause? Nach dem Abendessen? Allzu spät sollte die Arbeitszeit nicht beginnen, denn vor dem Schlafengehen sollte ausreichend Zeit zum Abschalten eingeplant sein. Zudem müssen jetzt persönliche Termine, die einen festen Platz in der Woche haben, eingetragen werden.

Hier im Beispiel wurde eine persönliche Lernzeit von 2 Stunden nach dem Unterrichtsende eingeplant. Die privaten Termine (Sportverein etc.) liegen am Abend. Das Wochenende wurde als Lernpuffer eingeplant, aber ansonsten weitgehend frei gelassen.

Schritt 4: Verteilen der Hausaufgaben und der Vorbereitungszeit auf die Woche

In die vorgesehene Lernzeit werden nun zuerst die Hausaufgaben verteilt, so dass die hierfür benötigte Zeit über die Woche gleich verteilt ist. Je nach persönlichem Lerntempo und nach Hausaufgabenmenge sind dies meist zwischen 30 und 60 Minuten. Hierzu gehört auch die Vor- und Nachbereitungszeit der Unterrichtsstunden. Wer täglich die Mitschriebe der vergangenen Stunde als Vorbereitung für den Unterricht am nächsten Tag durchliest, spart sich viel Zeit bei der Vorbereitung der Klassenarbeiten. Auch Vokabelarbeit gehört hierhin. An diese Zeit schließt sich die Lernzeit an. In dieser Zeit werden langfristig die Klassenarbeiten der nächsten Wochen und die akut anstehenden Arbeiten vorbereitet.

Bild 2Bild 3

 

 

Die Arbeit mit diesem Wochenplan sieht vor, dass täglich nach einem bestimmten Rhythmus eine festgelegte Zeit zum Lernen genutzt wird. Möchte man außerplanmäßig einen Termin wahrnehmen, so ist dies problemlos möglich, es bedeutet aber, dass die vorgesehene Arbeit auf den Rest der Woche umverteilt werden muss. Der Wochenplan sollte regelmäßig überprüft und optimiert werden, denn nicht jeder kennt auf Anhieb seinen optimalen Lernrhythmus.

Arbeitszeit und Lernpausen

Lernzeit ist nur dann effizient, wenn man in dieser Zeit ausschließlich lernt und sich nicht ablenken lässt. Fernsehsendungen, Aktivitäten im Internet oder die Benutzung des Handys lenken nicht nur ab, sie überschreiben auch im Ultrakurzzeitgedächtnis das Gelernte direkt, ohne dass das erworbene Wissen im Kurzzeitgedächtnis gespeichert werden kann. Dies kann man nur verhindern, indem man alle Störfaktoren vom Arbeitsplatz fernhält.

Nach jeder Lerneinheit sollte eine kurze Pause von 5 bis 10 Minuten eingeplant werden. Diese Zeit benötigt das Gehirn, um das Wissen vom Ultrakurzzeitgedächtnis ins Kurzzeitgedächtnis zu übertragen. Neu erworbenes Wissen (auch aus Fernsehen, dem Internet oder per Telefon) überschreibt das Erlernte und das angeeignete Wissen geht verloren.

Wie motiviere ich mich?

Schülerinnen und Schüler finden es nicht nur schwierig, mit dem Lernpensum umzugehen, oft schaffen sie es nicht, sich zu motivieren. Hilfreich ist es zu wissen, dass man mit der richtigen Motivation fast alles lernen kann. Also wie motiviert man sich? Grundsätzlich gibt es hier verschiedene Möglichkeiten, aber leider kein verlässliches Standardrezept. Was dem einen hilft, sorgt bei dem anderen für mehr Frust als Lernlust. Hier ein paar Überlegungen:

  • Lernen mit Zeitlimit: Oft gibt es ein Thema, für das man sich besonders schwer begeistern kann. Dann kann ein Zeitlimit helfen. Die Lernzeit wird begrenzt auf eine bestimmte Zeitspanne (gern auch zu Beginn ganz kurz). Wird diese Zeit ausschließlich für dieses Thema genutzt, darf man sich anschließend ohne schlechtes Gewissen wieder anderen Dingen widmen.
  • Positiv-Negativ-Liste: Lernen zu müssen gibt vielen Schülerinnen und Schülern das Gefühl, für nichts mehr Zeit zu haben und nie etwas Schönes machen zu dürfen. Um dies zu verhindern, setzt man alle „unangenehmen Arbeiten“ auf die Negativ-Liste und alles, was man gern tun möchte, auf die Positiv-Liste. Nun kann man sich Zuordnungen überlegen, die jedem Erfolg eine Art Belohnung entgegensetzen.
  • Der imaginäre Blick zurück: Welche Ziele haben die Schülerinnen und Schüler für ihr Erwachsenenleben? Dies ist eine Frage, auf die sie oft noch keine Antwort wissen. Klar ist ihnen aber, dass die sich für ihr Leben einen gewissen Lebensstandard erwarten, der ihnen Entscheidungsfreiheit in einem bestimmten Maß gewährt (über Urlaubsziele, das Auto, die Wohnsituation u.v.m.). Wie sehen sie ihr Leben, wenn sie zu einem imaginären Rückblick aufgefordert werden?

„Stell dir vor du bist 80 Jahre alt, sitzt im Schaukelstuhl und erzählst deinen Enkelkindern von deiner Jugend. Was möchtest du ihnen erzählen? Dass du dein ganzes Leben lang einen Beruf ausüben musstest, der dir keinen Spaß gemacht hat und der schlecht bezahlt war, der aber der einzige war, den du mit deinem Zeugnis bekommen konntest? Dass das nicht ganz so toll war, du aber in der 9. und 10. Klasse jede Menge Spaß hattest, während die anderen nur doof für die Schule gelernt haben? Oder würdest du lieber sagen, dass du einen tollen, gut bezahlten Job hattest und dein Leben so gelebt hast, wie du es dir gewünscht hast? Dafür hast du in der Schule richtig was tun müssen, aber es hat sich gelohnt.“

  • Jeder hat es selbst in der Hand: Letztlich gibt es viele Möglichkeiten, sich zu motivieren. Wichtig zu wissen ist aber: Jeder ist nur selbst für sich verantwortlich. Ein guter Lehrer oder Nachhilfelehrer, gute Lernmaterialien oder Freunde, die mit Erklärungen helfen, sind nur so gut, wie die eigene Bereitschaft, etwas zu tun. Wenn man will, kann man fast alles schaffen. Wenn man etwas nicht schafft, liegt es oft an der mangelnden Motivation.

Heißt lernen einfach nur „auswendig lernen“?

Viele Schülerinnen und Schüler geben an, dass sie z. B. für die Klausur in Mathematik sehr viel gelernt haben. Der ausbleibende Erfolg ist frustrierend. Auf Nachfrage geben die meisten an, dass sie täglich mehrere Stunden ihre Unterlagen aus dem Unterricht durchgelesen und das Ganze noch einmal zusammengefasst haben. Unbekannte Aufgaben standen nach eigenen Angaben aber nie auf dem Lernplan. Fachleute wundern sich nicht über den ausbleibenden Erfolg, den Schülerinnen und Schülern ist aber oft nicht klar, dass zum Lernen verschiedene Aspekte gehören. Natürlich muss man sich einen Überblick über Fakten oder Verfahren machen, das reine Faktenwissen genügt aber noch lange nicht, um gute Ergebnisse in den Klassenarbeiten oder Klausuren zu erzielen. Nur wer unbekannte Aufgaben in Angriff nimmt, sich auch der Tatsache stellt, dass es unter Umständen lange dauern kann, bis man eine Lösung findet, und so sein Transferdenken schult, kann auch in Klassenarbeiten und Klausuren eigenständig eine Lösung finden. Derjenige, der eine Stunde lang an einer Aufgabe getüftelt und dann endlich die Lösung gefunden hat, hat sicher mehr „gelernt“, als der Mitschüler, der drei Stunden lang Aufgaben, die im Unterricht behandelt wurden, durchgelesen hat. Nicht nur die Länge der Lernzeit sondern auch die Qualität der Lernleistung spielt eine Rolle.

Ein Denkanstoß zum Schluss

Auch das gesündeste Gericht nützt nur dann etwas, wenn man es auch isst. Es kann noch so liebevoll zubereitet sein, wenn man es nicht essen möchte und stattdessen einen ungesunden Burger vorzieht, braucht man sich über ungesunde Ernährung nicht zu beschweren. Schlimmer noch: wenn man sich endlich überwindet, das gesunde Essen zu probieren, und womöglich Gefallen daran findet, heißt es noch lange nicht, dass man es auch zubereiten kann.

Die Parallelen zum Lernen sind offensichtlich: Die tollsten Aufgabensammlungen sind nutzlos, wenn sich die Kopien auf dem Schreibtisch stapeln. Beschäftigt man sich doch endlich damit, dann reicht es nicht, die Lösungen durchzulesen und sich dabei zu denken: „Das hätte ich auch gewusst!“. Das ist meist genauso ein Trugschluss, wie die Vorstellung, dass das Essen eines gut gekochten Menüs dazu befähigt, ein Sternerestaurant zu eröffnen.

 

© Martina Groß, Massenbachhausen, 2016.

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