Geschichte

Bad Wimpfen und die Staufer

Man wäre gerne dabei gewesen, damals am 2. Juli 1235, so dass man als Zeuge Genaueres hätte berichten können: Kaiser Friedrich II. kommt wie ein orientalischer Potentat direkt von seinem Hof in Foggio nach Wimpfen mit einem fremdartigen Gefolge von Sarazenen, Äthiopiern, Kamelen, Leoparden und Affen.Dass dieser Stauferkaiser, den man das „Staunen der Welt“ nennt, den unliebsamen Weg nach Deutschland antritt – den Deutschen bleibt er immer ein Fremder – hat einen gewichtigen Grund. Sein Sohn Heinrich VII., König, kunstsinnig, leichtlebig und voll jugendlicher Anmaßung, hat sich gegen seinen Vater verbunden und muss an seinem Lieblingsort zur Raison gezwungen werden. Das Auftreten des Vaters macht Eindruck, der Sohn unterwirft sich sofort. In Worms wird er zu lebenslänglicher Strafe verurteilt.
Friedrich II

Siegel Friedrichs II.

Dann wird er nach Apulien gebracht, wo er sechs Jahre in verschiedenen Kerkern schmachtete, bis es ihm gelingt – so einer Überlieferung zufolge – sich 1242 bei der Überführung von einem zum anderen Kerker in die Tiefe zu stürzen. Hier also in Wimpfen hat sich der Vater den Sohn „vom Herzen gerissen“, hat kaiserliche Härte über väterliche Milde gesiegt.Das mag nur eine Episode sein aus der wechselvollen Geschichte der Staufer, sie verknüpft aber ein hartes Vater-Sohn-Schicksal mit dieser Stadt.Die Geschichte der Staufer
Eine Höhenburg gab dem Geschlecht der Staufer den Namen (Stauf, mhd. stouf: kegelförmiger Berg). Herzog Friedrich I. von Schwaben erbaute die zwischen Rems und Fils bei Göppingen gelegene Burg Staufen (Hohenstaufen). Verlässliche Gefolgsleute der Salier waren sie, die Staufer. Später fiel ihnen das salische Erbe zu. Neben anderen Sitzen war diese Burg der Ausgang einer erfolgreichen Territorialpolitik, die die Grenzen innerhalb weniger Generationen immer weiter ausdehnte: nach Süden bis zu den Alpen, noch Norden bis in das Rhein-Main-Gebiet und noch Nord-Osten bis nach Mitteldeutschland, Friedrich Barbarossa festigte in seiner fast vierzigjährigen Regierungszeit das staufische Königtum (Gründer der Kaiserpfalz von Wimpfen 1182). Das demokratische Denken hat sich durchgesetzt und das monarchische Prinzip abgelöst.

Die Staufer als Mythos

Als 1977 in Stuttgart die Staufer-Ausstellung gezeigt wurde, brach sie zur Überraschung aller alle Besucherrekorde. Ein wiedererwachtes Interesse für die Geschichte? Vielleicht. Es zeigte sich zumindest die Attraktivität jener hundert Jahre von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts mit ihren eindrucksvollen Herrscherfiguren wie Friedrich Barbarossa und Friedrich II.Aber schon früheren Generationen waren die Staufer eine lebendige Erinnerung. Am Anfang des 19. Jahrhunderts, nach den Befreiungskriegen, wurde Barbarossa zum Symbol für die erhoffte nationale Einigung in einem glanzvollen Kaiserreich, Legenden bildeten sich (Kyffhäusersage), die Gestalt Barbarossas wurde schwärmerisch glorifiziert. In „Deutschland, Ein Wintermärchen“ distanzierte sich Heine vom Barbarossa-Kult und der Idee eines Kaiserreichs: „Das beste wäre, du bleibest zu Haus, hier in dem alten Kyffhäuser – Bedenk ich die Sache ganz genau, so brauchen wir gar keinen Kaiser.“ (Caput XVI)
Kaiser Friedrich I. Barbarossa

Kaiser Friedrich I. Barbarossa

Das demokratische Denken hat sich durchgesetzt und das monarchische Prinzip abgelöst. Die Verbindung Wimpfens zu dem Herrschergeschlecht der Staufer (Barbarossa, Heinrich VII., Friedrich II., zahlreiche Hoftage) war sicher der Anstoß dafür, der Schule 1960 den Namen Hohenstaufen – Gymnasium zu geben.

Thomas Mattern (OStR i. R.)

 

Schulgeschichte

 

Mittelalter

Wer sich mit den ersten Schulen Bad Wimpfens befassen will, muß weit zurückgehen. Bereits im frühen Mittelalter existierte in Wimpfen im Tal die Stiftsschule der Herren des Ritterstiftes St. Peter. 1264 wurde der Grundstein des Dominikanerklosters in Wimpfen am Berg gelegt. Die Bürger von Wimpfen am Berg, das immer mehr in Opposition zum Ritterstift und damit zur Talstadt geriet und letztere bald überflügelte, errichteten sich bald darauf eine eigene Stadtschule. Um 1500 dürften die Lateinschulen von Stift, Kloster und Staat miteinander rivalisiert haben, denn ihre Zöglinge finden sich bereits ab dem Ende des 13. Jahrhunderts in den Namenslisten der damals berühmtesten italienischen Universitäten Bologna und Padua, später vor allem in Heidelberg, wo ihren Namen meistens die Herkunftsbezeichnung „Wimpinensis“, „de Wimpino“, „de Wuinppina“, „Wimpfingensis“, auch Valliswimpinensis (Wimpfen im Tal) oder gar „Wimpfelinganus“ beigefügt ist.

Disziplin I

Die Disziplin war zumindest in den Klosterschulen außerordentlich herb. Wer möchte unseren heutigen Schülern noch zumuten, morgens um 5 Uhr aufzustehen, bis 7 Uhr unter Aufsicht des Repetitors den Stoff des vorhergehenden Tages zu wiederholen und dann vom Hauptlehrer abgefragt zu werden? Und dies alles – im wahrsten Sinne des Wortes – auf nüchternen Magen, denn das „prandium“ (Frühstück) durfte erst nach diesem ersten Abfragen eingenommen werden.

Dreißigjähriger Krieg

Der Dreißigjährige Krieg traf Wimpfen besonders hart. Nach dem Abzug der Schweden war das Städtchen so verarmt, dass seine Bürger der Baumode in anderen Städten nicht folgen und ihre Fachwerkhäuser nicht in barockem oder klassizistischem Stil erneuern konnten – aus heutiger Sicht vielleicht ein Vorteil. Als Mark Twain gegen Ende des 19. Jahrhunderts seine bekannte Neckarfloßfahrt unternahm, machte er einen „Ausflug durch dieses ehrwürdige alte Dorf. Es war sehr malerisch und sehr verfallen, sehr schmutzig und sehr sehenswert.“

Ähnlich könnte man wohl auch die schulische Situation dieser Zeit beschreiben. Mitte des 19. Jahrhunderts vegetierte eine städtische Lateinschule mit 7 (!) bis 15 Schülern vor sich hin.

Deutsches Reich

Die Wende kam mit der nationalen Einigung des Deutschen Reiches 1870/71. Wie überall in den deutschen Städten hatte man erkannt, dass der technische Fortschritt eine bessere Ausbildung der neuen Generation erforderlich machte. Auch der staatliche Sektor, dem nun immer mehr Aufgaben zufielen, brauchte mehr und besseren Nachwuchs in der Verwaltung und im Militärwesen. Deshalb wurden einige Bürger im Gemeinderat für die Errichtung einer Realschule aktiv. Am 19. September 1871 bewilligte der Gemeinderat die ersten Mittel für die Gründung einer derartigen Schule.

Die neugegründete „Städtische Real- und Lateinschule“ wurde am 22. April 1872 mit 31 Schülern eröffnet. Als Schulräume dienten zwei weit voneinander entfernte Zimmer, die durch einen Durchbruch von ehemaligen Klosterzellen des Dominikanerklosters gewonnen wurden. Das Kloster selbst war 1803 säkularisiert und 1838 von der Stadt zum Spottpreis von 1000 Gulden aufgekauft worden. Die Stadt konnte anschließend alle ihre Schulen im Klostergebäude unterbringen. Der 22. April 1872 wurde bei den späteren Jubiläumsfeiern als Geburtsstunde der Anstalt festgehalten.

Disziplin II

Die Disziplin an der Schule war damals – rein äußerlich gesehen – recht ausgeprägt. So konnte der Ordinarius der Abschlussklasse 1 und gleichzeitige Rektor Münch großartig auf der Rückseite eines Zeugnisses vermerken: „Er muß während der ganzen Ferien in Wimpfen bleiben, um französischen und englischen Unterricht zu nehmen … Tut er dies nicht, so wird er durch Konferenzbeschluß in die zweite Klasse zurückversetzt.“

Diese Androhung klingt wahrhaft drakonisch – werfen wir jedoch einen genaueren Blick in das Zeugnis, so können wir in ihm nicht weniger als sechsmal die Note 5 und zweimal gar die Note 6 (ungenügend) entdecken. Geben die heutigen Lehrer einem derartigen Schüler noch eine Chance? Unser hier erwähnter Schüler bestand jedenfalls ein halbes Jahr später seine Klasse.

20. Jahrhundert

Große Aufmerksamkeit widmete man bereits am Ende des 19. Jahrhunderts dem Schwimmen. Schon Direktor Landgraf hatte „einen Platz an einer besonders günstigen Stelle des Neckars“ gemietet und Direktor Münch stellte einen eigenen Schwimmlehrer an, so dass „alle Schüler, die nicht durch einen besonders triftigen Grund zu befreien“ waren, „genötigt“ wurden, schwimmen zu lernen, worauf man sehr stolz war. Auch die Freiübungen in den Schulgängen bei schlechtem Wetter hörten bald auf, denn 1901 wurde die Turnhalle erbaut.

Vier Jahre später wurde die Schule auch dem schöneren Geschlecht geöffnet. Neun tapfere Mädchen wagten den Sprung in die Höhle des Löwen. Von Mathematik wurden sie infolge mangelnder Vorkenntnisse befreit. Es hat ihnen offensichtlich in der neuen Umgebung gut gefallen, denn nur wenige Jahre später musste die bis dahin existierende Höhere Mädchenschule ihre Tore schließen.

In der Nacht vom 6. auf den 7. April 1907 brannte ein großerTeil des Klostergebäudes ab. Bis zum Jahre 1910 konnten die Schäden behoben und Realgymnasium und Volksschule dadurch beträchtlich renoviert werden.

Der Ausbruch des 1. Weltkriegs machte sich in Wimpfen bemerkbar durch die Einziehung von vier Lehrern und dem Schuldiener. Auch der Pfarrer wurde kriegsverpflichtet. Er übernahm eine Division. Die Schüler der Anstalt waren meist noch nicht betroffen, da sie noch zu jung waren.
Die 50-Jahrfeier der Schule musste verschoben werden. Im Jahr 1922 war Wimpfen so arm wie der Rest des Deutschen Reiches. Drei Jahre später holte man die Feier noch – in bescheidenerem Rahmen als 25 Jahre vorher.

Ansonsten gab es in der Weimarer Republik nicht viel zu feiern. Friedrich Eberts Tod wurde kurz gewürdigt. Erst ab 1933 fühlte man wieder Grund zum Feiern. Hatte man bis 1918 die Geburtstage des Kaisers und des hessischen Großfürsten mit großen Reden und schulfrei bedacht, so füllte nun der 20. April diese Lücke – A. Hitlers Geburtstag. 1939 beging man ihn laut Protokoll mit einer „Morgenfeier“.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte die Schule – von dauernden Bombenalarmen abgesehen – auf recht unsanfte Weise. Die zurückflutende deutsche Wehrmacht erreichte die Neckar-Jagst-Linie, kam am 24. September 1944 noch Bad Wimpfen und beschlagnahmte das Schulgebäude. Die Schulmöbel und das gesamte Inventar wurden auf den Schulhof geworfen.

Am 2. September 1946 öffnete „die Schule wieder ihre Pforten“, schrieb H. H. Bachmann, der spätere Direktor. Während seiner Amtszeit fand der Ausbau der Schule zum Gymnasium statt. 1965-67 wurde die Grund- und Hauptschule erbaut. Somit hatte das Pro-Gymnasium, das sich seit Juni 1960 „Hohenstaufen-Progymnasium“ nannte, nun alle Räume des ehemaligen Klosters zur Verfügung. Trotzdem erforderte der Ausbau zur Vollanstalt, an der man das Abitur ablegen konnte, einen Neubau. Dabei musste das im Volksmund sog. „Kaiserhaus“ fallen.

Nach der Pensionierung H. H. Bachmanns übernahm R. M. Adolf die Direktion. Seit dem Sommer 2000 ist Th. Dietrich Schulleiter.

Disziplin III

In Sachen Disziplin erscheint 1906 zum erstenmal ein Passus im Jahresbericht der „Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen am Neckar“, der uns bemerkenswert erscheint: „Der Besuch von Wirtshäusern und ähnlichen Lokalen ist den Schülern auch während der Ferien nur in Begleitung der Eltern oder ihrer Vertreter gestattet. Das Einkehren auf Spaziergängen außerhalb der Stadt zum Zweck mäßiger Erfrischung ist statthaft, Trinkgelage und lärmende Zusammenkünfte sind jedoch unter allen Umständen untersagt. Ob einzelnen Schülern ausnahmsweise erlaubt werden kann, ihre Mittagsmahlzeiten in einem Wirtshaus einzunehmen, entscheidet der Direktor.“ Nach verständnisvollem Eingehen auf die Bedürfnisse der auswärtigen Schüler, die sich mittags in Wirtshäusern verpflegen müssen, folgt die pädagogische Ermahnung: „Ganz abgesehen von der schädlichen Wirkung des Alkohols auf die heranwachsende Jugend sind wir zu dieser Maßregel gezwungen, weil sonst die aufmerksame und rege Anteilnahme der Schüler an dem Nachmittagsunterricht unmöglich ist“. Wir überlassen es dem Leser herauszufinden, warum dieser Passus in den folgenden Jahresberichten mit schöner Regelmäßigkeit Jahr für Jahr wiederholt wurde – später ergänzt durch den Hinweis auf die wohltuende Wirkung von Milch.

 

Disziplin IV

An zweiter Stelle für Wiederholungen in den Jahresberichten seit dem Jahre 1913/14 mag festgehalten werden: „Taschengeld verleitet die meisten Schüler zu Verschwendungen und Unfug. Wenn das Mitnehmen von Taschengeld notwendig ist, wie dies bei auswärtigen Schülern der Fall sein kann, so empfehlen wir dringend, seine Verwendung aufs genaueste zu überwachen.“ Auch dieser Passus wurde nie mehr gestrichen, bis die Jahresberichte im Zweiten Weltkrieg ihr Erscheinen einstellten.

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Die ersten Direktoren

Wie aufreibend diese Auseinandersetzung war, lässt sich am besten an der Lebensgeschichte der ersten Direktoren dieser Schule zeigen.

Ferdinand Wiedow war vielleicht der glücklichste von ihnen. Er leitete die Schule unter diesen misslichen Umständen etwas mehr als ein Jahr und ließ sich dann als einfacher Oberlehrer nach Chemnitz versetzen. Sein Nachfolger Dr. Adolf Birnbaum war mit großen Idealen angetreten, „Abgesehen davon“, schrieb er in seinem Bewerbungsschreiben an Wimpfens Bürgermeister, „habe ich niemals zu den Lehrern gehört, die mit Leichtigkeit eine große Stundenzahl auf ihre Schultern zu nehmen verstehen“, und er begründete dies damit, mitunter für eine einzige Unterrichtsstunde mehrere Vorbereitungsstunden zu benötigen. Birnbaum bekam die Stelle.

In einem seiner nächsten Briefe (26.6.1873) an Bürgermeister Ernst berichtete er ihm von einer großen Reizbarkeit, die ihn häufig überkäme. Zwei Jahre später überlegte er, sich freiwillig in die Nervenheilanstalt Heppenheim zu begeben. Noch bevor er sich freiwillig dorthin begab, wurde er zwangsweise eingewiesen und starb dort. Sein Nachfolger wurde Karl Landgraf.

Obwohl Landgraf nicht die von den Behörden geforderte akademische Laufbahn hinter sich gebracht hatte, wurde er aufgrund seiner besonderen Verdienste für die Schule 1877 endgültig zum Direktor ernannt. Vom Chronisten des 25-jährigen Jubiläums der Schule wird er als der „Vater der Schule“ bezeichnet, ohne den Wimpfen „nie in den Besitz einer Realschule“ gelangt wäre. Derselbe Chronist berichtet, dass in dem Moment, als Landgrafs Gehalt verdoppelt und seine zu haltende Stundenzahl halbiert wurde – als also der Druck nachließ – er sich aus dem dritten Stock gestürzt habe. Tags zuvor hatte er noch unterrichtet.

Hessische Enklave

Bis zur Anerkennung der Realschule durch den hessischen Staat war es allerdings noch ein weiter und dorniger Weg. Wimpfen war zu dieser Zeit eine hessische Enklave, umgeben von württembergischem und badischem Gebiet, Heilbronn wurde wörtlich bereits als „Ausland“ bezeichnet. Die Chancen, dass sich bei diesen widrigen geographischen Verhältnissen eine höhere Schule etablieren könnte, waren außerordentlich zweifelhaft, denn eine derartige Schule war auf Schüler aus den „benachbarten Staaten“ angewiesen, wenn sie überleben wollte. So wartete die Großherzoglich-Hessische Regierung ab und ließ die Wimpfener Bürger ihr Experiment erst einmal aus eigener Tasche bezahlen. Die Kosten für die neue Schule wuchsen, und bald befürchteten die Wimpfener Bürger, dass ihre Stadtväter ihnen einen Kuckuck ins Nest besetzt hätten. Von einer „nicht geringen Gehässigkeit der Bürger gegen die Anstalt“ war die Rede, und es wurde gefordert, die städtische Realschule „wieder aufzuheben, die alte Lateinschule wieder herzustellen und den Besuch auf Kinder aus Wimpfen zu beschränken“.

Die Krise war mit dem ersten Rückschlag erreicht, als die inzwischen 70 Schüler umfassende Anstalt auf 50 zurückging und sich damit auch das von den Eltern zu bezahlende Schulgeld verringerte. Die Gegner wiesen zudem darauf hin, dass zwei Drittel der Schüler aus den umliegenden „Staaten“ (Baden und Württemberg) stammten und viele Schüler aus Wimpfen selbst die Schulen in Heilbronn, Neckarsulm und Hall besuchten.

Großherzogliche Realschule

Die Schule gedieh infolge des Einsatzes dieser Männer der ersten Stunde prächtig. Rückwirkend zum 1. April 1885 verlieh Großherzog Ludwig IV. von Hessen der höheren Bürgerschule von Wimpfen das Recht, die Schule als „Großherzogliche Realschule“ zu führen. Kurze Zeit später erfolgte die Erlaubnis, den Schülern die „Wissenschaftliche Befähigung für den einjährigen freiwilligen Militärdienst“ zu bescheinigen.

Dies war ein weiterer Meilenstein. Die Bürgerlichen hatten dadurch erreicht, dass ihre Kinder als Absolventen dieser Schule sich in des Kaisers Armee nicht mehr von ganz unten hochdienen mussten, sondern eine Vorzugsposition als Fahnenjunker erhielten, wodurch sie zu Offiziersstellen Zugang bekamen, die bisher dem Adel vorbehalten waren. Unter dem Rektor Münch wurden sie auch zur Finanzverwaltung zugelassen, falls sie sich nicht für militärische Zwecke geeignet fühlten.

Die Schule nahm nun einen ungeahnten Aufschwung. Schüler aus Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe sowie Berwangen, Neckarbischofsheim etc. finden sich zu etwa zwei Dritteln in den Schülerlisten. Die meisten dieser auswärtigen Schüler trafen um 8.15 Uhr mit dem Zug in Wimpfen ein. Um 8.30 Uhr begann der Unterricht.

25-jähriges Bestehen

Die Bedeutung der Realschule kam in der Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen der Schule zum Ausdruck. Bereits am 12. November 1896, ein halbes Jahr vor der Feier, tagte ein 25-köpfiger Vorbereitungsausschuss, dem die gesamte städtische Elite angehörte. Am 2. April 1897 gab es in der Stadt „Kein Haus ohne Fahnen und Fähnchen, bunte Lampions und Guirlanden…“. Das Fest begann noch der Anreise vieler auswärtiger Gäste am Abend auf dem Marktplatz mit der Rede eines Schülers des ersten Jahrgangs (1872). Um 8 Uhr abends setzte sich ein riesiger Fackelzug durch die Stadt in Bewegung. Später wurden im damals weitbekannten Hotel Mathildenbad, das den Ansturm der Gäste kaum aufnehmen konnte, bedeutsame Reden gehalten, denen auch die „Abiturienten“ bis 11 Uhr lauschen durften. Die eigentliche Feier am 3. April 1897 war vielleicht eine der glänzendsten, die Wimpfen trotz seiner langen Geschichte gesehen hat. Grußadressen und Spenden aus anderen Städten – vor allem aus Heidelberg – verstärkten das neue Selbstbewusstsein der gefeierten Jubilarin.

Georg Schnelzer (OStR i. R.)

21. Jahrhundert

Im Sommer 2000 übernahm Th. Dietrich die Schulleitung. In dieser Zeit meisterte die Schule die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium (G8) und entwickelte sich zur Ganztagesschule der offenen Form weiter. In diesem Zusammenhang wurde die Mensa angebaut und an drei Tagen ein Mittagstisch eingeführt. 2010 erfolgte der Spatenstich für den NwT-Neubau, der den 1997 errichteten Neubau erweiterte. Die Einweihung erfolgte am 16. September 2011, schon unter Hr. Dietrichs Nachfolger. W. Wejwar führte die Schule von 2010-2013. Seit dem Schuljahr 2013/14 wird die Schule von Hr. J. Knoblauch geleitet.

R. Hellstern