„Die Tänzerin von Auschwitz“

Bewegende Vorträge von Paul Glaser am HSG

Während eines Besuchs im Vernichtungslager Auschwitz sieht Paul Glaser einen Koffer – beschriftet mit seinem Familiennamen. Dieses Ereignis führt dazu, dass er sich mit den verdrängten jüdischen Wurzeln seiner Familie beschäftigt und die unglaubliche Überlebensgeschichte seiner Tante Rosie entdeckt, einer temperamentvollen und emanzipierten Tanzlehrerin aus Amsterdam, die ihren Lebensmut gegen den nationalsozialistischen Terror verteidigte. Aus Rosies Tagebüchern und Briefen setzt Glaser ihre Biographie zusammen. Es entsteht ein emotionaler Überlebensbericht, der zugleich vom Kampf zwischen Erinnern und Vergessen in einer Familie erzählt. Der 2010 veröffentlichte Roman „Die Tänzerin von Auschwitz“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt und als Tanztheaterinszenierung auf die Bühne gebracht.

Der Deutschkurs D1 der Jahrgangstufe 2 hat am Ende des vergangenen Schuljahres im Rahmen seines Literatur- und Filmprojekts „Wider das Vergessen: Drittes Reich und Holocaust in Literatur und Film“ eine Inszenierung am Theater Heilbronn besucht und dort Paul Glaser bei seinem Einführungsvortrag erlebt. Wir waren bewegt von der eindrucksvollen Darstellung der authentischen Geschichte dieser unbeugsamen Frau und  haben den niederländischen Autor an das Hohenstaufen-Gymnasium eingeladen.

Am 14. November hielt Paul Glaser zunächst am Nachmittag für die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen und der Jahrgangsstufe 1 und 2 seinen Vortrag, der alle sehr beeindruckte, was in Gesprächen und der anschließenden Fragerunde deutlich wurde.  Am Abend konnte der Deutschkurs in der mit etwa 80 Gästen gut besetzten Aula  Eltern, Lehrer und weitere Interessierte, darunter auch Herrn Bürgermeister Brechter, zu einem zweiten Vortrag begrüßen. Zwei Stunden lang erzählte Paul Glaser von der Lebensgeschichte seiner Tante und von seiner eigenen Geschichte, die zu der Entstehung des Romans führte. Begleitet wurde der Vortrag von zahlreichen Fotos und Videoaufnahmen aus den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, durch die ein anschauliches Bild der Zeit entstand. Eindrücklicher als jede Sammlung von Fakten in einem Geschichtsbuch war zum Beispiel das Foto von einer Feier Ende der dreißiger Jahre – nur zwei der Gäste dieses fröhlichen Familienfestes haben den Holocaust überlebt. Auf diese Weise wurde für uns Nachgeborene Geschichte greifbar.

Paul Glaser betonte gleich zu Beginn seines Vortrags, wie wichtig es sei, sich daran zu erinnern, dass nach dem unendlich großen Leid im Dritten Reich und Holocaust unser heutiges friedliches Europa aufgebaut worden ist. Darin sieht er die Botschaft der Geschichte seiner Tante. „Erzählt sie weiter!“, so seine abschließende Forderung an das Publikum.

Der Deutschkurs dankt Paul Glaser sehr herzlich für die emotionalen Vorträge.

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