
Noch ein sommerlich-reiselustiger Rückblick: Frankreichaustausch – Gegenbesuch der deutschen Schüler in Meaux
Ein umzäunter Schulkomplex mit dauerhaft besetzter Eingangspforte; ein Abendessen auch mal erst um 21 Uhr; das Baguette beim Frühstück direkt auf dem Tisch statt förmlicher Teller; sogenannte „surveillants“, die jeden Schüler zu Beginn des Unterrichtstages am Schultor einzeln begrüßen und teils prüfen; ein Aperitif, der zwei Stunden dauert, bevor gegessen wird, Schule jeden Tag bis ca. 16 Uhr - Das alles zählte unter anderem zu den kulturell prägnanten, weil zügig auffälligen Beobachtungen, die die deutschen Schüler in ihren Gastfamilien und in der französischen Schule machten.
Dieses Entdecken kultureller Besonderheiten war den deutschen Schülern, zusammengesetzt aus Acht- und Neuntklässlern, bei ihrem Gegenbesuch in der Partnerschule „Collège Parc Frot“ in Meaux (unweit von Paris) im Mai von Beginn an möglich – schließlich gehörte das Kribbeln und die Aufregung bezüglich des ersten Treffens mit den jeweiligen Austauschpartnerinnen und -partnern seit März (Besuch der frz. Schüler hier bei uns in Bad Wimpfen) der Vergangenheit an, sodass der Aufenthalt von Beginn an mit Freude und Neugier aufs Land gestartet werden konnte.
Nach einer reibungslosen und fröhlichen (gesanglich-chorale Einstimmung der Schüler auf Frankreich inklusive) Busfahrt wurden wir also am Montagnachmittag (4. Mai) vor den Pforten des Collèges entlassen und dort mit einem riesigen und herzlichen Hallo empfangen. Die französischen Schüler säumten den Eingang der Schule, den sie im Vorfeld mit selbst gestalteten dt.-frz. Freundschaftsplakaten dekoriert hatten und alle lagen sich in den Armen.
Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Schulleiterin Mme Baert durften sich unsere Schüler erst einmal bei einem Buffet mit allerlei Köstlichkeiten aus der frz. Pâtisserie stärken. Hierbei konnte das anfängliche „Re-Bonjour“ in aller Ruhe in echte Gespräche zwischen den Austauschpartnern münden – das Wieder-Andocken schien kein Problem zu sein und so freute sich jeder auf den restlichen Spätnachmittag und Abend in den jeweiligen Gastfamilien.
Bereits der Folgetag, Dienstag, hielt eines der Highlights der Austauschwoche für die Schüler bereit – der erste von zwei Tagen im nahegelegenen Paris, das wir innerhalb einer halbstündigen Zugfahrt erreichten. Dem durchwachsenen Wetter hielten die Schüler mit ihrer eigenen guten Stimmung stand, schließlich stand das Wahrzeichen von Paris, la grande tour Eiffel, auf dem Programm. Trotz wolkenverhangenem Himmel war die Sicht über ganz Paris von der zweiten Plattform aus beeindruckend; gleichermaßen imposant war es, die Eisenkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert im Detail zu inspizieren.
Im Anschluss ließen wir den Paristag mit einer Rundfahrt auf einem der „bateaux mouches“ auf der Seine ausklingen. Der aufkommende Regen machte dieses Erlebnis eigentlich nur noch romantischer – es war ein besonders, unter dem Regenschirm mit Getröpfel an Deck des Bootes zu sitzen und untermalt mit Musik eng an Monumenten wie der Kathedrale Notre-Dame oder dem heutigen Musée d’Orsay vorbeizufahren.
Monumental ging es unter anderem am Mittwoch weiter – schließlich kann auch Meaux innerhalb des ansprechenden Altstadtkerns mit einer Kathedrale, der Notre-Dame nicht unähnlich, aufwarten. Dies und vieles andere erschlossen sich die Schüler in deutsch-französischen Kleingruppen bei einer eigens für sie von Monsieur Rhode, dem verantwortlichen Lehrer auf französischer Seite, erstellten Stadt-Rallye. Den Nachmittag durften die Schüler, ganz der französischen Manier der schulfreien Mittwochnachmittage entsprechend, individuell mit ihren Austauschpartnern gestalten. Von Kino, über einen Besuch bei der Freundin der Familie bis hin zur Verabredung zum gemeinsamen Basketball-Spiel und anschließendem Bummel durch das Einkaufszentrum – die Ausgestaltungen waren facettenreich, vor allem aber nah an den Bedürfnissen der französischen und deutschen Jugendlichen.
Der darauffolgende Tag war ein Tag wie im Bilderbuch – ein Stadtspaziergang durch Paris, entlang des Ufers der Seine, bei blauem Himmel und Sonnenschein. Sowie auch der unterirdische Métro-Transfer ist das bei einer Großgruppe von 48 Schülern zwar im wahrsten Sinne des Wortes kein Selbstläufer – wird doch jeder kunstvollen Wandmalerei oder der berittenen Polizei die -zugegeben- gerechtfertigte Aufmerksamkeit geschenkt. Dennoch blieben wir als Großgruppe während unseres Besuchs der Notre-Dame und des Stadtspaziergangs entlang des Centre Pompidous zusammen und erreichten so unser Tagesziel des „vie en rose“ – das ehemalige Künstlerviertel Montmartre, das mit seinem pittoresken Charme auch unsere Schüler in seinen Bann zog. Hier hatten die Schüler genug Zeit, sich in Kleingruppen durch die engen Gässchen treiben zu lassen, und die -vielleicht besten?- Croissants Frankreichs zu degustieren.
Aufgrund der Fête de la Victoire am 8. Mai war der darauffolgende Freitag ein Feiertag und wurde ganz traditionell im Kreise von Freunden und Familie verbracht – so versammelten sich alle französischen Familien inklusive deutscher Austauschschüler bei strahlendem Sonnenschein im Stadtpark Meauxs „Parc du Patis“. Am Ufer des dortigen Sees picknickten alle gemeinsam stilecht auf mitgebrachten Picknickdecken und mit liebevoll hergestellten Köstlichkeiten. Auch ein Spaziergang auf Stegen und an Teichen vorbei bot sich im weitläufigen Park an, welcher danach noch dazu einlud, den Nachmittag bei diversen Outdoor-Spielen ausklingen zu lassen.
Aufgeregt waren die deutschen sowie auch die französischen Schüler bereits zu diesem Zeitpunkt, schließlich stand das Wochenende, das allein zu freien Verfügung gedacht war, an. Große Pläne wurden geschmiedet, gemeinsame Abende und Partys wurden organisiert, die Familien erkundigten sich nochmals nach den Interessen der deutschen Schüler – Freude sollte ihnen gemacht werden, auch Besuche im Disneyland wurden vorgeschlagen und umgesetzt. Besonders eindrücklich waren auch sehr authentische Einblicke, die den deutschen Schülern selbstverständlich gewährt wurden – sei es der 70. Geburtstag der Oma, an deren Tisch der deutsche Schüler Platz nahm oder eine Taufe, die auf französischer Sprache miterlebt werden durfte.
Das alles waren und sind Momente, die unvergessen bleiben, vor allem aber die Freundschaft zwischen den Austauschpartnern stärken. Mit welch einem Selbstverständnis die Austauschpartner miteinander umgingen, wie spontan Sätze in der jeweils anderen Sprache gebaut wurden (im Mündlichen noch schwieriger als im besser vorbereitbaren Schriftlichen!) war wunderschön zu sehen und sehr beachtlich!
Genau solche Momente sind es, die die hohe Relevanz von Fremdsprachunterricht an Schulen abermals betonen, und die alle organisatorischen und zeitlich-umfangreichen Herausforderungen auf Seiten der Lehrer oder anfänglichen Unsicherheiten auf Seiten der teilnehmenden Schüler mit Leichtigkeit wegwischen.
Mit diesem Gefühl verabschiedeten wir uns am darauffolgenden Montagmorgen tränenreich, aber mit einem „Au revoir“ (und keinem „Adieu“) voneinander.
Das HSG bedankt sich herzlich beim Collège Parc Frot für den herzlichen Empfang und die wunderschöne und ereignisreiche Woche in Frankreich. Ein besonderer Dank für die tolle und durchdachte Organisation geht an Monsieur Christophe Rhode und Frau Simone Müller (auf dt. Seite) - die Organisation und Durchführung eines zeitintensiven Austausches ist keine Selbstverständlichkeit und kein automatischer Teil des Lehrerberufs, insofern gilt ein besonderer Dank den oben genannten verantwortlichen Lehrkräften. Merci, vous avez fait un grand plaisir aux élèves ayant participé!
Un grand merci et au revoir!
