
Eine eigenständige Adaption eines Romans, in diesem Fall des Romans „Anne of Green Gables“ von Lucy Maud Montgomery, zu erdenken, ist bereits die eine Kunst. Eine ganz andere ist es, diese auch noch in eigener Regie auf die Bühne zu bringen. Beiden Herausforderungen stellte sich die Theater-AG „English Drama Group“ unter der Leitung der Englisch-Lehrkraft Simone Müller mit einer beachtlichen Selbstverständlichkeit und vor allem – mit viel Elan.
Über ein Jahr hinweg traf sich die Gruppe, bestehend aus etwa einem Dutzend ambitionierter Schauspielerinnen der Klassenstufe 8 bis J1, um das Theaterstück „A fresh start for Anne Shirley“ zu konzeptualisieren – beginnend mit dem Aufsetzen einer eigenständigen Fassung eines Drehbuchs ausgehend vom Roman, fortgeführt durch die Imagination einer möglichen Kulisse (was durch die diesjährige räumliche Beschränkung auf den Cube-Empfangsbereich noch herausfordernder war) und mündend in der Probephase.
Das Ergebnis, das am Abend des 6. und 7. Oktobers im Cube des HSGs zu bestaunen war, suchte durch seine hohe Qualität seinesgleichen – sicherlich bot bereits allein die Geschichte des eigenwilligen, träumerischen und charismatischen Waisenmädchens Anne genug Stoff für einen sehr amüsanten und unterhaltsamen Abend. Schließlich war es eine Wohltat zu beobachten, wie das selbstbewusste Mädchen im noch stark vorurteilsbehafteten provinziellen England des 19. Jahrhunderts durch Tatkraft, Humor und Intelligenz reihenweise die Herzen für sich gewinnt.
Vor allem aber beeindruckend und alles andere als erwartbar war die starke Bühnenpräsenz der Schauspielerinnen. Auf kleinem Raum mit reduzierter, aber hingebungsvoll künstlerisch gestalteter Kulisse (dank der Unterstützung einzelner Schülerinnen des Kunst-Profils) entfalteten sie eine enorme inszenatorische Kraft: Bereits Kniffe wie das Sprechen über den Bühnenrand hinaus (hier aus das sog. Bühnenflüstern) oder die stete Begleitung durch eine Stimme aus dem Off, die den Zuschauer an den Gedanken der Protagonistin teilhaben ließ, sorgten für eine starke Wirkung der Figuren auch über deren körperliche Präsenz hinaus.
Ein externer Besucher mag aber vor allen Dingen sicherlich in Anbetracht der hohen performativen Kraft der Schauspielerinnen beeindruckt oder gar ehrfurchtsvoll zurückgeblieben sein, ist doch ein solch pointierter sprachlicher Ausdruck, eine solche Eloquenz und vor allen Dingen ein dermaßen hohes Sprachniveau (des Englischen, versteht sich) eher etwas, das sich auf einer öffentlichen Theaterbühne erwarten ließe. Vor diesem Hintergrund mag dem Besucher wahrscheinlich fast nicht aufgefallen sein, dass zusätzlich zu dem ohnehin schon hohen Textanteil einzelner Schauspielerinnen auch Doppelrollen mit Leichtigkeit übernommen wurden.
Wir bedanken uns bei den Schauspielerinnen für diesen beeindruckenden Abend, gratulieren zu dieser phänomenalen sprachlichen und schauspielerischen Leistung, bedanken und bei Frau Müller für hingebungsvolle Begleitung, Betreuung und Anleitung und freuen uns bereits jetzt auf weitere Inszenierungen. Ihr könnt wirklich sehr stolz auf euch und eure dargebotene Leistung sein!