Was 4711 mit Domodossola zu tun hat

Der berühmte Orientexpress hält leider nicht mehr in Domodossola, das schädigt das Prestige dieser kleinen Stadt nahe an der Schweizer Grenze aber keineswegs. Der diesjährige Schüleraustausch bot Gelegenheiten genug viel über die Stadt zu lernen.

Nach der herzlichen Begrüßung durch den Schulleiter und der ersten Begegnung mit der Stadt in Form eines Domino-Spiels erfuhren unsere Schüler/innen bei einer Stadtführung über die große Anziehungskraft dieser piemontesischen Stadt. Die Stadtführerin – selbst eine gebürtige Deutsche – hat sich hier vor Jahren niedergelassen und zeigt Touristen die Sehenswürdigkeiten. Beeindruckend sind beispielsweise die alten Häuser, die anders als bei uns statt mit Dachziegeln mit schweren Steinplatten gedeckt sind.

Der Dienstag war den Sehenswürdigkeiten am Lago Maggiore gewidmet: Mit dem Schiff ging es bei herrlichstem Sonnenschein auf die Borromäischen Inseln, speziell die Isola Bella und die Fischerinsel. Neben dem prachtvollen Palais beeindruckte der Garten mit seinen Zitronen- und Orangenbäumchen, den radschlagenden weißen Pfauen und der Blütenpracht der Azaleen und Kamelien.

Hatten die Schüler/innen bereits montags den italienischen Unterricht besucht, gab es am Mittwoch die Möglichkeit an einem Sprachprojekt teilzunehmen. Dabei ging es darum wie beim Speed Dating jeweils ein paar Minuten lang ein Gespräch mit seinem Gegenüber in Französisch, Englisch, Italienisch oder Deutsch zu führen. Durch den häufig wechselnden Partner waren die Teilnehmer/innen ständig gezwungen neue Fragen zu stellen und auch zu beantworten.

Ein weiteres Ziel während des Austausches war die Metropole Mailand mit ihrem Menschengewimmel in den Fußgängerzonen und vor dem berühmten Dom. Mithilfe eines Audioguides erhielt man viele Informationen zu den Kunstwerken, dem Bau und den Besonderheiten des Doms. Zuvor hatte die Gruppe die Möglichkeit erhalten in einer kleinen Kirche in der Nähe des Domes die Kirche San Satiro zu besichtigen. Hier erlebt man die Wirkung illusionistischer Architekturmalerei: die Apsis und das Tonnengewölbe und auch die Säulen sind in ihrer Räumlichkeit so echt gemalt, dass man erst bei näherem Hinschauen die Täuschung erkennt.

Der letzte Tag führte uns mit der Bahn ins Bergdorf Santa Maria Maggiore. Dort gibt es nicht nur ein Schornsteinfegermuseum zu erkunden bzw. viele Ausstellungsstücke von Schornsteinfegern aus aller Welt, die sich hier jährlich ein Stelldichein geben. Man erfährt viel über die Armut in den Bergdörfern, so dass man die Kinder früher weggegeben hat, damit sie in den Städten die Kamine säuberten. Vom rußgeschwärzten Leben der Kaminkehrer ging es direkt in die parfümgeschwängerten Räume des Casa del Profumo, wo man uns erzählte, dass der Erfinder des berühmten Kölnisch Wassers 4711 eigentlich Johann Farina aus Santa Maria Maggiore ist. Wir erfuhren von den Rezepturen und Methoden zur Parfümherstellung, was uns in seiner Intensität sprichwörtlich den Atem nahm.

Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang auch die Pasticceria Grandazzi in Domodossola, die uns zeigte, wie Schokoladenostereier hergestellt werden. Die Spezialität der Chocolaterie sind eigentlich waschecht wirkende, aus Schokolade hergestellte Werkzeugteile. Unsere Gruppe bekam eine Spezialanfertigung geschenkt: einen Pinguin mit deutschen (Würstchen und Bier) und italienischen Zutaten(Ravioli und Käse bzw. Spaghetti-Haaren).

Passend zu Ostern:

Am Samstag nahte die Abschiedsstunde: viele Erfahrungen hatten wir machen dürfen, nette Menschen kennengelernt und eine Woche italienische Lebensart erkundet. Für manche hielt der Aufenthalt noch andere Überraschungen bereit: Schnee in rauen Mengen und auch eine Geburtstagsfeier waren dabei. Aber was am meisten wiegt: neue Freundschaften sind entstanden.

Arrivederci, Domodossola.

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